Selbsthilfe von Mensch zu Mensch

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

(auch Alpha-1-Protease-Inhibitor-Mangel oder Laurell-Eriksson-Syndrom)

Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist eine angeborene Erkrankung und kann somit an die Nachkommen weitergegeben werden. Das überwiegend in den Leberzellen gebildete Akute-Phase-Protein Alpha-1-Antitrypsin (Proteasehemmer) wird dabei nicht ausreichend zur Verfügung gestellt. Bei dem Ungleichgewicht von Protease (eiweißabbauenden Enzyme) und Proteasehemmern kommt es zur allmählichen Zerstörung des Lungenparanchym (Alveolen) mit der Entstehung eines Lungenemphysems.

Diagnose

Mit einer Blutuntersuchung wird die AAT-Konzentration im Blut gemessen. Bei erniedrigten Serumspiegel kann durch weiterführende Laboruntersuchungen der Phänotyp ermittelt werden.

Der häufigste Defekttyp ist der homozygote Z-Phänotyp. Dieser geht mit einer erheblich verringerten Serumkonzentration an Alpha-1-Antitrypsin einher. Neben den homozygoten gibt es auch heterozygote Varianten. Träger von heterozygoten Gen-Varianten haben meistens eine normale Alpha-1-Serumkonzentration und entwickeln nur in Ausnahmefällen ein Lungenemphysem.
Die Phänotypen im Einzelnen:

Phänotyp Eigenschaft u. Risiko
PiMM
normal
◦ verbreiteste Phänotyp (95%)
◦ normaler Alpha-1-Antitypsin Serum-Spiegel
PiMZ
heterozygot
◦ 60% des Alpha-1-Antitypsins im Serum zur Norm
◦ kein bis leicht erhöhtes Lungenemphysem-Risiko
PiSS
homozygot
◦ 40 – 60% des Alpha-1-Antitypsins im Serum zur Norm
◦ leicht erhöhtes Lungenemphysem-Risiko
PiSZ
heterozygot
◦ 30 – 50% des Alpha-1-Antitypsins im Serum zum Normspiegel
◦ erhöhtes Lungenemphysem-Risiko
PiZZ
homozygot
◦ 10 – 15% des Alpha-1-Antitypsins im Serum zum Normspiegel
◦ sehr hohes Lungenemphysem-Risiko
PiNull ◦ Kein Alpha-1-Antitypsin im Serum
◦ definitiv Lungenemphysem (sehr seltener Phänotyp)
Symptome

Das in den Lungenbläschen normalerweise herrschende Gleichgewicht zwischen den Proteasen und Antiproteasen geht durch den Mangel an AAT verloren. Dabei kommt es zu einem Ungleichgewicht und zu unkontrollierten Aktivitäten der eiweißabbauenden Enzyme. Im Laufe der Zeit werden dadurch die feinen Trennwände der Alveolen (Alveolarsepten) zersetzt. Im weiteren Krankheitsverlauf manifestiert sich dann ein Lungenemphysem.
Im Kindesalter (seltener auch im Erwachsenenalter) kann es zu einer Leberschädigung kommen (z.B. Leberzirrhose).
Eher seltene Krankheitsmanifestationen außerhalb von Lunge und Leber:
Pannikulitis, Vaskulitis, Pankreatitis, Rheumatoide Arthritis

Therapie

In erster Linie beschränkt sich die Therapie auf die Behandlung der Folgeerkrankungen, besonders die der Chronisch obstruktive Lungenerkrankung.

Strikter Nikotinverzicht ist Grundvoraussetzung für den Erfolg aller weiteren therapeutischen Maßnahmen. Die Inhaltsstoffe im Tabakrauch sind in der Lage, die noch gering vorhandenen Mengen an Antitrypsin zu inaktivieren.
Zur Infektionsprophylaxe wird eine Schutzimpfung gegen Grippe und Pneumokokken empfohlen.

Als weitere Therapie für Alpha-1-Antitrypsin-Mangel Patienten kommt die Substitutionstherapie mittels wöchentlicher Infusion infrage. Die Infusion enthält aus Fremdblut gewonnenes Alpha-1-Antitrypsin. Für die Durchführung dieser Substitutionstherapie gibt es klare Richtlinien: Serumspiegel unter 80 mg/dL und eine mittelgradig eingeschränkte Lungenfunktion, mit einem FEV1-Wert zwischen 35 Prozent und 65 Prozent vom Soll.

Bei schwerstgradiger Lungenerkrankung muss an eine Lungentransplantation gedacht werden.