Selbsthilfe von Mensch zu Mensch

Arzneimittelfälschungen aus dem Internet

calaasafei@stock.xchngZoll warnt vor gefährlichen Medikamenten und gefälschten Testsiegeln

Apotheker warnen seit langem. Nun hat auch die EU im Februar 2011 reagiert und dem Einschleusen illegaler Medikamente durch die Einführung eines neuen Authentifizierungssystems den Kampf angesagt. Innerhalb von anderthalb Jahren soll die neue EU-Richtlinie in Deutschland umgesetzt werden. Denn Tabletten aus dem Internet sind durch die große Anzahl von Beimengungen falscher Wirksubstanzen stark gesundheitsgefährdend.

Gefälschte Testsiegel „Note sehr gut“
Wer im Internet Medikamente kauft, läuft Gefahr, nicht nur falschen Informationen, gefährlichen Arzneimitteln, sondern sogar gefälschten Testsiegeln ausgesetzt zu sein. So wurde bekannt, dass Fälscher 2010 das Logo der Stiftung Warentest missbraucht hatten, um einem Internetportal im Bereich sogenannter „Potenzmittelapotheken“ die Note „sehr gut“ zu verleihen.

Lebensgefährliche Medikamentenplagiate im Internet
Der normale Kunde kann seriöse von unseriösen Angeboten im Internet kaum unterscheiden. So hat das BKA kürzlich ca. 100 Internetseiten identifiziert, auf denen mutmaßliche deutsche Anbieter illegale Arzneimittel verkaufen. Die Betreiber sitzen zumeist im Ausland und vertreiben nicht nur illegale, sondern auch gefährliche Arzneimittel an arglose Kunden. Im Jahr 2010 konnte der Zoll als Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz ca. drei Mio. Tabletten, eine Tonne Arzneipulver und 14 Mio. Ampullen sicherstellen. Die Herkunftsländer waren hauptsächlich Indien (68%), Hongkong, Iran, China und die Seychellen.

Riesiger Schwarzmarkt boomt
Für Kriminelle lohnt sich der illegale Arzneimittelhandel offenbar. So kostet ein Kilo Plagiat des Lifestyle-Arzneimittels Viagra® auf dem Schwarzmarkt ca. 90.000 €. Zum Vergleich kostet ein Kilo Kokain ca. 65.000 €, Heroin 50.000 €, Marihuana 8.000 € und Ecstasy 1.300 € (Stand 2008, Quelle: ABDA). Der Handel mit gefälschten Arzneimitteln spielt sich überwiegend im Internet ab. Patienten haben also allen Grund, die Internetportale zu meiden, da eine Bestellung gefälschter Arzneimittel sogar lebensgefährdend sein kann, wenn die deklarierten Inhaltsstoffe nicht dem tatsächlichen Inhalt entsprechen.

Sicherer Einkauf in der Apotheke um die Ecke
Wer sicher gehen möchte, auch wirklich das Medikament zu erhalten, das er benötigt, sollte in die nächste Apotheke in seinem Wohnort gehen. Laut Bundeskriminalamt sind Fälschungen hier die absolute Ausnahme.

Bildnachweis: calaasafei@stock.xchng

Auf Beitrag antworten