Selbsthilfe von Mensch zu Mensch

Pulmonale Hypertonie bei COPD

Über pulmonale Hypertonie (Lungenhochdruck) konnte man in den letzten Jahren recht viel lesen und das betraf vor allem die Zulassung einer ganzen Reihe neuer Medikamente. Allerdings sind diese fast ausschließlich für die PAH ( pulmonal arterielle Hypertonie) entwickelt worden. Und das ist eine recht kleine Gruppe von Patienten, für die es vorher aber auch überhaupt keine Behandlungsmöglichkeiten gab. Ich gehöre zu dieser Gruppe und profitiere  sehr dadurch.

Die pulmonale Hypertonie ist aber auch eine häufige Komplikation von chronischen Lungenerkrankungen. Wir kennen den Begriff Cor pulmonale. Dieser beschreibt Veränderungen von Struktur und/oder Funktion des rechten Herzens, die infolge eines Lungenhochdruckes aufgrund einer Lungenerkrankung auftreten. Und hier muss man wissen, ein Cor pulmonale impliziert nicht automatisch ein Rechtsherzversagen.

Eine pulmonale Hypertonie bei Lungenerkrankungen führt meist nur zu einer moderaten Druckerhöhung.

Die COPD ist ja eine sehr häufige Lungenerkrankung und damit auch der Hauptgrund für pulmonale Hypertonie und Cor pulmonale bei Lungenerkrankungen.

Es gilt nach wie vor die Feststellung: Ein COPD-Patient stirbt nicht am, sondern mit dem Cor pulmonale.

Aber:

Pulmonale Hypertonie und/ oder Cor pulmonale sind bei COPD- Patienten Risikofaktoren für eine schlechtere Prognose. Diese Patienten müssen z.B. häufiger wegen Exazerbationen stationär behandelt werden.

Die traditionelle Vorstellung der Hypoxämie als Hauptursache wird zunehmend durch ein Modell abgelöst, bei dem Umbauprozesse der Lungengefäße im Vordergrund stehen.

Aus dem Gesagten ergibt sich eigentlich, dass eine  Behandlung  ein wichtiges Ziel darstellt.

Aber die bisherigen Behandlungsstrategien, die bei der pulmonal arteriellen Hypertonie schon gute Erfolge zeigten, waren eher enttäuschend.

Da vorwiegend eine Gefäßerweiterung das Ziel war, kam es dadurch sogar oft zu einer Verschlechterung der Sauerstoffsituation, das betrifft sowohl die Kalziumkanalblocker, aber auch die Endothelinrezeptorantagonisten (Bosentan).

Der Phosphpodiesterase – 5 – Inhibitor, das Sildenafil führte zu keiner Veerschlechterung, aber auch zu keiner wesentlichen Verbesserung der Situation.

Mittlerweile gibt es neue Ansatzpunkte, die vielleicht auch bei COPD-Patienten zum Einsatz kommen könnten.

Man weiß, dass NO positive hämodynamische Auswirkungen bei COPD plus pulmonaler Hypertonie zeigt. Solche Substanzen sind auch in  Erprobung.

Als ebenfalls günstig könnten sich Statine zeigen, erste positive Ergebnisse wurden bereits veröffentlicht.

Sehr interessant finde ich auch den Ansatz, Stoffe einzusetzen, die die Wachstumsfaktoren hemmen, damit könnte erstmals die Proliferation, der Umbau der Gefäße rückgängig gemacht werden.

Ich hatte in der vorigen Woche die Gelegenheit das Gießener Forschungslabor kennen zu lernen und war beeindruckt, welche Anstrengungen in jeder Richtung unternommen werden.

Die Sauerstofflangzeittherapie kann zwar nicht den Pulmonalisdruck senken, aber die Progression aufhalten, so dass sie bei bei Vorliegen eines Cor pulmonale bereits im Grenzbereich pO2 zwischen 55 und 60 mmHg empfohlen wird.

Die pulmonale Rehabilitation verbessert bei COPD-Patienten die Belastbarkeit und die Lebensqualität. Diesen Satz wird sicher jeder unterstreichen.

Ein vielversprechender Ansatz ist aber auch das Training bei pulmonaler Hypertonie. Ich konnte an der Studie dafür teilnehmen. Eine Trainingstherapie könnte auch bei der Kombination von COPD und pulmonaler Hypertonie sehr effektiv sein, entsprechende Studiendaten fehlen aber völlig. Die Gefahr einer Dekompensation des rechten Herzens bei übermäßiger Belastung darf nicht unterschätzt werden, es kommt schon darauf an, das Training individuell abzustimmen.

Christa

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